These are the Keynotes held at the 2nd Non-Monogamies and Contemporary Intimacies conference at Sigmund Freud University in Vienna, Austria

*Alex Iantaffi: “From monochrome to polychrome: working therapeutically and systemically with consensually non-monogamous people”

*Jingshu Zhu, “We’re Not Cheaters”: Polyamory, Mixed-Orientation Marriage and the Construction of Radical Honesty

*Andreas Brunner: “Intimacy under the condition of prosecution: Gay male relationships in Vienna between 1938 and 1945

*Mollena Williams: “A Sublime Dichotomy: How One Black Woman found Strength & Freedom in Consensual BDSM”

*Christian Klesse: “Polyamory – Identities, the Law and Sexual Orientation Thinking”

 

 

Ich freue mich, darüber zu informieren, dass das Buch zur Paraflows Konferenz 2016 erschienen ist. Darin wurde auch mein Artikel über meinen Konferenzbeitrag zu  “Polyamorie – Mehr als eine Liebe” veröffentlicht. Ein herzlicher Dank gebührt Günther Friesinger für den link zum freien download des Buches in digitaler form. Nachfolgend sind weitere Informationen:

ID/ENTITY

Entwürfe – Erzählungen – Perspektiven

Auf Basis sich verbreiternder Informationsmaterialien und damit auch vielfältiger Angebote zur Arbeit am Ich wird die Frage nach dem Bauplan des modernen Subjekts neu reflektiert. Insbesondere Aspekte der Normierung sowie des Verhältnisses unseres Ichs zum Netz und den damit verbundenen Machtstrukturen finden sich in der Auseinandersetzung. Als Quelle von Sinn und Erfahrung grenzt Identität immer auch an Prozesse der Sinnkonstruktion, der Identifikation, an persönliche oder soziale Ziele und kulturelle Attribute. Die Baumaterialien unserer Identitäten sind vielfältig: Religion, Biologie, Klasse, Rasse, Geschlecht, Kollektive, Phantasie, Kultur sowie Zeit sind nur einige der Quellen, auf die wir bei der Konstruktion unseres Ichs zurückgreifen. Durch mediale Prozesse und Simulationen stellt sich zunehmend die Frage nach der Verarbeitung und Präsentation unserer Identitäten, die in Bezug auf Selbstdarstellung und soziale Rollen im Einklang, Widerspruch oder Konflikt stehen können. Dennoch stellen wir uns Identität als jene Form vor, die nach außen abgeschlossen und stabil ist und nach innen über ein Bewusstsein von sich selbst verfügt, das keine allzu großen Widersprüche aushalten muss. Inwieweit aber stellen uns aktuelle gesellschaftliche und mediale Strukturen vor die Herausforderung, diese Widersprüche zu integrieren?

Produktinformation

Hrsg.: Günther Friesinger, Thomas Ballhausen, Judith Schoßböck

Taschenbuch: 228 Seiten
Verlag: edition mono/monochrom (Oktober 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-902796-53-0

Preis: Euro 20,-

Printversion hier erhältlich     Amazon

Freier Download       ID/ENTITY (PDF) 

© edition mono/monochrom & paraflows

 

 

Zeit für Abwechslung                                     

Die kürzliche Eheschließung dreier Männer in Kolumbien bewegt die Verfechter der Polyamorie auf der ganzen Welt. “Vielliebe” bedeutet, Gefühle für mehr als nur eine Person zu hegen – und zwar nicht heimlich sondern ganz offiziell. Ob eine Dreierbeziehung wirklich funktionieren kann? City4U sprach mit der Wiener Autorin und Psychologin Sina Muscarina, die das Buch “Polyamorie – Nicht nur eine Liebe” verfasst hat, über ihre Sicht der Dinge:

# Polyamorie statt ständiger Seitensprünge

“Seitensprünge sind mit viel Heimlichkeit verbunden”, thematisierte Sina bereits im Februar im Interview bei “Gspusi Cast”. Auch sie selbst lebt die Polyamorie. Weltweit hat sie sich schon mit polyamorösen Menschen getroffen, die unter anderem aktivistisch engagiert sind. Das polyamore Leben ist für Leute, die die Monogamie vertreten, schwer nachzuvollziehen. Oft genug hört man allerdings von Beziehungen, die wegen einiger Seitensprünge mit immer derselben Person in die Brüche gehen – ist hier keine Parallele vorhanden?

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“In meinem Buch behandle ich biographische Analysen nicht-monogamer Beziehungen”, so die Psychologin aus Wien. Affären offenzulegen, funktioniert in der Monogamie selten und nicht nur eine Ehe ist vermutlich daran zerbrochen. Polyamoröse Menschen fühlen sich in einer Beziehung, die monogam geführt wird, unwohl und sehen diese als “Kompromiss” – aus diesem auszubrechen, ist allerdings ein großer Schritt.

# “Vielliebe” ist nicht wie eine offene Beziehung

Die Polyamorie darf man aber nicht falsch verstehen. Es bedeutet nämlich nicht, sich einen Freibrief zum Fremdgehen verschaffen zu wollen! “Es bewegt sich weit weg von offenen Beziehungen, denn bei einem polyamorösen Lebensstil geht es um die Liebe und nicht nur um das Sexuelle! Ein Seitensprung ist nicht immer gleich mit der Liebe auch zu dem anderen verbunden”, unterstreicht Sina im Gespräch. Sie selbst hat viel ausprobiert und verschiedenste Phasen durchlebt: “Es gab in meinem Leben auch andere nicht-monogame Verhältnisse, aber in der Polyamorie habe ich mich sofort zuhause gefühlt, denn es ist genau das, worum es mir persönlich geht!”

# Dreier-Ehe in Kolumbien: Aufruhr im Netz

Polyamorie ist ein weltweites Thema. Anlässlich der kürzlich geschlossenen Dreier-Ehe in Kolumbien wurde in Bezug auf diese Thematik allerdings eine große Diskussion losgetreten. “Für mich eklig und nicht vollziehbar”, kommentiert ein User. Verständnis wird beim Thema “Vielliebe” heutzutage noch sehr klein geschrieben – die Reaktionen ziehen das Ganze eher ins Lächerliche, wie ein anderer User beweist: “Fantastisch – und wann darf ich jetzt endlich mein Schaf heiraten?”

# Mit Polyamorie findet eine Abgrenzung statt

“Polyamorie ist eine Identifikationsmöglichkeit”, erklärt die Autorin Sina Muscarina. Es ist schwierig, sich mit einem polyamorösen Lebensstil offiziell sozial einzubetten. Die “Vielliebe” entspricht nicht den vorgegebenen Normen – zumindest bisher. Ob mit diesem Schritt Kolumbien nun zum Vorreiter der restlichen Welt geworden ist, wird sich herausstellen! Eines ist allerdings sicher: Der polyamoröse Lebensstil ist für monogam lebende Menschen gewöhnungsbedürftig – auch,um diesen zu verstehen, bedarf es Toleranz.
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Polyamorie – Mehr als eine Liebe @ paraflows Id/entity: Perspektiven – Rekonstruktion des Selbst und Alternativen

Auf Basis sich verbreiternder Informationsmaterialien und damit auch vielfältigen Angeboten zur Arbeit am Ich wird die Frage nach dem Bauplan des modernen Subjekts neu reflektiert. Insbesondere Aspekte der Normierung sowie des Verhältnisses unseres Ichs zum Netz und damit verbundene Machtstrukturen finden sich in der Auseinandersetzung. Als Quelle von Sinn und Erfahrung (Castells) grenzt Identität immer auch an Prozesse der Sinnkonstruktion, der Identifikation, an persönliche oder soziale Ziele und kulturelle Attribute. Die Baumaterialien unserer Identitäten sind vielfältig: Religion, Biologie, Klasse, Rasse, Geschlecht, Kollektive, Phantasie, Kultur sowie Zeit sind nur einige der Quellen, auf die wir bei der Konstruktion unseres Ichs zurückgreifen. Durch mediale Prozesse und Simulationen stellt sich zunehmend die Frage nach der Verarbeitung und Präsentation unserer Identitäten, die in Bezug auf Selbstdarstellung und soziale Rollen im Einklang, Widerspruch oder Konflikt stehen können.

Dennoch stellen wir uns Identität als jene Form vor, die nach außen abgeschlossen und stabil ist und nach innen über ein Bewusstsein von sich selbst verfügt, das keine allzu großen Widersprüche aushalten muss. Inwieweit aber stellen uns aktuelle gesellschaftliche und mediale Strukturen vor die Herausforderung, diese Widersprüche zu integrieren?

Identität ist auch Selbstbeherrschung: Das mit sich selbst identische Subjekt ist der „Staat im Staat in der ersten Person“, wie es in einem frühen Song der Gruppe Blumfeld heißt. Juristische Identität ist der Ausgangspunkt für den freien Willen, für die autonome Person und die individuelle Freiheit. Im Namen jener Entität, die wir in der Identität geworden sind, kommunizieren und verhandeln wir miteinander. Vor allem aber ist Identität Arbeit an sich selbst, über performative Akte oder ökonomische und kapitalistische Anrufungen. So verwalten und verwerten wir uns und werden dadurch auch berechenbar: nicht nur da, wo uns Identitätswaren im Sinne der Gruppenzugehörigkeit oder eines Lebensstils angeboten werden. ©paraflows2016

Paraflows – Festival für digitale Kunst und Kulturen

Sina Muscarina (M.A.) is a social*entrepreneur, who earned a Master‘s degree in Psychology at the University of Vienna. Sina gathers a profound and authentic understanding of a variety of alternative lifestyles for more than a decade. Sina‘s special focus is Polyamory. Practicing and studying different and effective methods of exploring and broadening the spectrum of consciousness for achieving improved psychological resilience is Sina Muscarina‘s professional goal. The thesis is available as book.

* Polyamory – Loving more than One* : Personal transformations in biographical narratives *

1st Non-Monogamies and Contemporary Intimacies Conference
Lisbon – Portugal #1st NMCI
Sept. 25 – 27, 2015
nmciconference.wordpress.com

Master‘s Thesis
University of Vienna
Faculty for Psychology